Einsatzbericht zum Einsatz Nr. 070 – 079 am 09.08 – 10.08.2009

Eindrücke vom Gruppenführer Stellingen 2 (STELG2):

Am Abend des 09.08.2009 gegen 19:00 Uhr wurde es immer dunkler über Hamburgs Westen. Erste Blitze zuckten am Himmel und die ersten Regentropfen fielen. Der Regen nahm zu und wir wollten gerade unser Abendessen genießen (die 2. Gabel war im Mund), als mein digitaler Meldeempfänger auslöste mit der Meldung: 19:24 WASSER – Ernst-August-Straße XX / – STELG1
Diese Str. liegt weit außerhalb unseres Einsatzgebietes in HH-Othmarschen. Damit war klar, daß es wohl nicht bei einem Einsatz bleiben würde.

Schnell dem Sohn und der Frau einen Gute-Nacht-Kuß geben, Jacke und Schuhe an und ca. 30m zum Auto laufen. Klitschnaß rein und ab zum Feuerwehrhaus.
Auf dem Weg dorthin war die Sicht teilweise nur 10 bis 20m weit. Es schüttete nicht eimerweise sondern badewannenweise… Somit benötigte ich etwas länger als üblich zum Feuerwehrhaus.

Am Feuerwehrhaus angekommen war das 1. Löschfahrzeug STELG1 schon fast voll besetzt und fuhr, während ich mich umzog, Richtung Einsatzstelle ab. Standardmäßig wird in Hamburg nur 1. Löschfahrzeug der FF alarmiert mit einer Mindeststärke von 6 Einsatzkräften. Aufgrund des Starkregens und des damit zu erwartenden extrem hohen Einsatzaufkommens besetzte ich als Gruppenführer mit weiteren Kameraden das 2. Löschfahrzeug STELG2. Dann nahm ich STELG2 ebenfalls über Funk einsatzbereit.

Es sollte nur wenige Minuten dauern, als uns die Leitstelle um 19:40 Uhr einen eigenen Einsatz in Iserbrook zuwies: 19:40 WASSER – Isernrade / – Straße ca 40cm unter Wasser – *STELG2

Somit begaben wir uns mit STELG2 auf den Weg nach Iserbrook.
Dort stand die Sackgasse auf einer Fläche von ca. 800qm 30 – 40cm hoch unter Wasser und drohte in die angrenzenden Wohnhäuser zu laufen. Kurioserweise waren wir vor 14 Jahren 1995 genau in dieser Str. tätig. Auch damals waren starke Regenfälle die Ursache und nahezu alle Keller vollgelaufen. Wir setzten die Fahrzeugpumpe mit 4 Sauschläuchen ein und beförderten das Wasser über 2 B-Leitungen in einen angrenzenden Teich.

Es folgten diverse Einsätze für STELG2 + STELG1 in Altona, Eimsbüttel, Schnelsen und Lurup. Vollgelaufene Keller und Garagen sowie überflutete Straßen galt es von den Wassermassen zu befreien. Teilweise konnten wir leider nicht tätig werden, weil das Wasser in manchen Kellern selbsttätig abgelaufen war oder die Bewohner zwischenzeitlich selber Wasser geschöpft hatten.

Der vorletzte Einsatz führte STELG2 nach Lurup in den Limosenweg. Dort war eine Einzelgarage mit angrenzendem Keller ca. 15cm hoch voll Wasser. Das Wasser wurde mittels Elektrotauchpumpe abgepumpt.
Zum Ende hin hörten wir über Funk, wie die FF Schnelsen einen Einsatz in der Str. Modering erhielt. Hier sollte eine 1000qm große Tiefgarage bis zu 30cm unter Wasser stehen.

Auf der Rückfahrt kontrollierten wir ein Regenrückhaltebecken im eigenen Revier. Hier war aber kein Einschreiten nötig. Während der Fahrt hörten wir die Rückmeldung der FF Schnelsen, die weitere Kräfte mit Pumpen zur Unterstützung im Modering anforderte.

Es dauerte nicht lang und die Leitstelle rief über Funk STELG1 und STELG2 und beorderte uns
um 22:55 Uhr ebenfalls nach Schnelsen zum Modering. Da nun an einer Einsatzstelle 2 FF tätig waren,
wurde ebenfalls der Bereichsführer Eimsbüttel als Einsatzleiter und Koordinator alarmiert.

Dort angekommen wurden wir vom Wehrführer der FF Schnelsen in die Lage eingewiesen.
Wir brachten unsere Tauchpumpen in Stellung und mußten prompt die Arbeiten einstellen. Während der weiteren Erkundung stellte sich heraus, daß möglicherweise eine Elektroanlage mit 10.000 Volt vom Wasser in Mitleidenschaft gezogen wurde. Um die Kameraden nicht zu gefährden, wurde der VATTENFALL-Elektronotdienst zur Überprüfung angefordert. Nach Freigabe durch VATTENFALL konnte mit den Lenzarbeiten begonnen werden

Weitere Türen in den großen Kellern wurden geöffnet und vollgelaufene Räume wurden entdeckt. Unter anderem 2 vollgelaufene Fahrstuhlschächte und ein großer Ausstellungsraum einer Modefirma.

Somit mußten die Pumpen immer umgesetzt werden. Zeit verstrich, der Wasserstand nahm ab und hatte irgendwann gegen 3:30 Uhr einen Stand erreicht, wo die Pumpen nicht mehr arbeiten können.
Ich besprach mich mit dem Wehrführer Schnelsen und unterbreitete die Idee, Wassersauger der Berufsfeuerwehr (diese können auch kleine Wassermengen absaugen) und eine weitere FF zur Ablösung anrücken zu lassen.

Der Bereichsführer Eimsbüttel stimmte zu und veranlaßte die Alarmierung der nachrückenden Kräfte.

Es erfolgte um 3:45 Uhr die Alarmierung der FF Hummelsbüttel und des Wechselladers mit Abrollbehälter Hafen (unter anderem mit Wassersaugern an Bord) der Umwelt-und Technikwache F32 der Berufsfeuerwehr.

Wir konnten unsere Fahrzeuge wieder mit gerollten Schläuchen bestücken, die Pumpen und Stromerzeuger verlasten und den Rückweg zum Feuerwehrhaus antreten. Dort mußten die Gerätschaften gereingt werden. Gegen 6:00 Uhr morgens waren die Fahrzeuge wieder auf Vordermann gebracht.

Das war wahrhaftig eine kurze oder auch lange Nacht… Das bleibt dem Betrachter überlassen ;o)

Unser besonderer Dank gilt dem Kameraden der FF Berliner Tor, der uns vor Ort mit Kaffee, Cola und diversen Süßriegeln versorgte. Normalerweise erfolgt die Versorgung der Feuerwehrkräfte bei langwierigen Einsätzen durch die FF Ottensen. Diese war aber in Lurup (dort war ebenfalls eine Großeinsatzstelle) gebunden und anschließend im wahrsten Sinne des Wortes leer .

Der Kamerad der FF Berliner Tor bekam dies mit und hat in Eigeninitiative den Fernmeldewagen der FF Berliner Tor mit Kaffeemaschine, Getränkekisten und Süßigkeiten beladen und ist zu uns geeilt.

Nochmals vielen herzlichen Dank von den Kameraden der FF Stellingen!!!

M. Schröder
Gruppenführer Stellingen 2